"Non smettere di scolpire la tua propria statua" (Plotino, Enneadi I 6, 9, 13)

lunedì, febbraio 11

Nikolaus von Kues: man muss im „Partikulären“ verfahren

Von: Andrea Fiamma

In der Schrift De filiatione Dei1 versucht Cusanus das Verhältnis zwischen den Allgemein-Begriffen und der menschlichen Erkenntnis zu bestimmen. Er gebraucht ein alltägliches Beispiel:

Ein Malermeister möchte einen Schüler in der ars der pictura unterrichten. Dabei weil er nicht die allgemeine Erkenntnis der “ars pictoria” auf den Schüler direkt übertragen kann, muß er schrittweise fortfahren. Er muß ihn unterrichten:
i) zuerst, wie man eine Linie aufzeichen kann,
ii) dann wie man das Portrait eines Antlitzes mahlen kann
iii) und schließlich wie man ein Leinwandgemälde gestalten kann.
Der ganze Schulunterricht müß im „Partikulären“ verfahren. Denn jede Erkenntnis sei ein Einzelwissen. Cusanus sagt: «die Meisterschaft ist die Hinübernahme des Einzelwissens in die universale Kunst; zwischen beiden herrscht kein Verhältnis»2

Das heißt: wenn wir die Allgemein-Begriffe durch die ratio, die in der ordentlichen Reihenfolge von Zeit und Ort sich bewegt, erkennen möchten, müßen wir schrittweise vorgehen. Wir müßen zwar eine Reihe von „Einzelwissen“ entwickeln: die seienden Dinge müßen im Vernunft-Denken und durch ihr „im-Verhältnis-Sein“ (proportio) begriffen werden. Das Einzelwissen kommt aus den Sinneswahrnehmungen; die ratio nimmt die Ergebnisse, die aus der sinnlichen Erkenntnis kommen, und „berechnet“ dann die Eigenschaften der Dinge. Die Rechnung bestimmt die Verhältnisse zwischen den einzelnen Eigenschaften. Die Singularität der Eigenschaften kommt aus der Sinneswahrnehmung, die die Eigenschaften der Dinge als einzelne Eigenschaften nimmt (z.B.: die Größe, die Farbe, die Härte).

Die ratio erbaut die vielen Verbindungen zwischen den einzelnen species, weil sie die gemeinsamen Eigenschaften erkennt; am Ende kann sie eine Verhältnisgleichung zwischen den vielfachen species erstellen. Die Begriffe entstehen als „Einzelwissen“, weil sie aus der Sinneswahrnehmung kommen, aber werden in der ratio vernetzt. Die ratio schafft so die Begriffe als Netztwerke zwischen den einzelnen species. Schlußendlich ist: das „im-Verhältnis-Sein“ also ein Produkt der ratio, in dem, aus dem Partikulären, die Allgemein-Begriffe gebildet werden. Das Mittel dieser Produktion ist die Verhältnisgleichung (proportio). 

Wir können nicht unmittelbar die Allgemein-Begriffe erreichen, wenn wir nicht durch das Partikuläre laufen: «in dieser Welt mühen wir uns mittels der Sinne, die nur einzelnes erreichen. Wir werden von der sinnlichen Welt der Einzeldinge zu der universalen Kunst hinüber befördert, die in der Geistwelt ist»3. Es gibt allerdings keinen aristotelischen „Aufbau“ von den sprachlichen Strukturen des Seienden zu den Bezeichnungen, weil Cusanus denkt daß die Sprache aus menschlicher und konventioneller Übereinstimmung kommt, die das Vernunft-Denken vermittelt.

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1 Nikolaus von Kues, De filiatione Dei in Textauswahl in deutscher Übersetzung, Heft 5: Über Gotteskindschaft, Deutsche Übersetzung von Harald Schwaetzer, Trier: Paulinus-Verlag, 2001.
2 Ibid. (57,1)
3 Ibid. (57, 5)



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